Survival-Tipp #32 - tarnende Bärte

Beinahe täglich stoße ich auf neue "Survival-Tipps", nachdem ich schon lange mein Standard-Werk zu diesem Thema bei Amazon veröffentlichte. Doch meine Erkenntnisse beim Selbstversuch zur besseren Männlichkeit sind derart gewichtig, dass ich hier in Form eines Nachtrages diesen bedeutsamen Survival-Tipp veröffentlichen muss.

Der männliche Bart ist nicht nur Rotzbremse für den stoischen Schniefer und erst recht nicht Ausdruck mangelnden Geschichts-Bewusstseins wie ich bisher immer dachte. Bärte sind hilfreiche Mittel, nahezu jede Katastrophe ...
... zu überleben. Und das geht so:

Katastrophen und damit einhergehend auch der Zusammenbruch unserer Zivilisation erfordern immer auch unkonventionelle Lösungsansätze für die drängendsten Probleme des Alltages.

Da es im Fall des Falles nichts mehr zu kaufen gibt, muss man auf anderen Wegen Bedürfnisse befriedigen. Dem Anständigen fällt dann zuerst ein, "Dinge" selbst herzustellen, anzubauen, zu erzeugen, zu machen. Die überwiegende Mehrzahl der Menschen ist allerdings nicht anständig sondern zählt sich selbst zu den Bequemen und Faulen.

Beobachte doch mal die "deutsche besorgte Mutter", die ihre Kinder pünktlich 07:30 Uhr direkt vor dem Haupteingang der Schule abliefert und dafür auf dem Zebra-Streifen hält. Oder denke an den engagierten Feuerwehr-Hauptmann, der 19:58 Uhr in den Supermarkt stürmt um noch schnell 4 Kästen Löschwasser zu beschaffen während ein Mitglied der Jugendfeuerwehr hilflos auf dem Beifahrersitz bei laufendem Motor mit den Achseln zucken muss, wenn gehbehinderte Rentner nicht mehr den Markt verlassen können, da der Dienst-Benz so dicht vor der Tür parkt, dass die automatische Tür blockiert ist.

Die Mehrheit der Menschen ist also bequem - und die Bequemen denken zuletzt ans "selber machen". Die Zahl der Räubereien und Überfälle wird eigener leidiger Erfahrung nach schon bei kleinen Versorgungsengpässen steigen.

Stell dir also vor, es kommt plötzlich und unerwartet zu einer überraschenden Kernschmelze bei der Europäischen Zentralbank und unser heißgeliebter Wirtschaftswunder-EURO taugt plötzlich nicht mal mehr zum Nase-Schneuzen. Du kannst im LIDL keinen Lambrusco mehr kaufen. Der Bäcker heizt seinen Ofen nicht mehr. Du musst bei der Nachbarin Hühner stehlen um eine Erkältungsbrühe kochen zu können. Witwe Bolte jedoch liegt auf der Lauer und knipst das Hoflicht an, sobald der Hahn bei deinem ersten ungeschickten Tritt in den Hühnerstall zu gackern beginnt. Schnell musst du fliehen, die Witwe kann noch einen Blick auf dich erhaschen und brüllt dir einige Unfeinheiten hinterher.

Was machst du nun? Du wurdest gesehen! Du könntest dich nun nicht mehr unerkannt in der Siedlung bewegen - es sei denn, du veränderst dein Aussehen drastisch. Das gelingt dir nur über Nacht, wenn du dir deinen Raubzug-Bart abrasierst. Du wirst am kommenden Morgen der anhaltend schockierten Witwe unter die Augen treten können, empört an der Versammlung der Bürgerwehr teilnehmen können und bist den unangenehmen Folgen der Lynch-Justiz entgangen - weil du ohne Bart vollkommen anders aussiehst, als der gescheiterte Hühner-Räuber!

Woher ich das alles weiß? Seit ich mir einen Bart wachsen lasse, erkennen mich die Leute nicht mehr. Vor der Discothek und beim Bier-Kauf werde ich neuerdings wieder nach meinem Personal-Ausweis gefragt!